Was für ein Auftakt zum Jubiläumsjahr: Mit einem stimmungsvollen Empfang und einer rauschenden Party. Danke an alle langjährigen und neuen Wegbegleiter und an alle, die mit uns so großartig gefeiert haben.

                                                                                                                                                                                                                      Wellen,  3. März 2019

Über das Waldbaden:

Die pure Erholung

zwischen Bäumen finden

Waldbaden liegt im Trend

 

Eigentlich wissen wir es: Der Wald ist gesund. Nicht umsonst tut ein Sonntagsspaziergang

unter Baumwipfeln so gut. Jetzt ist der Gesundeffekt auch wissenschaftlich

bewiesen, in Japan genießt deshalb das „Waldbaden“ als Therapie einen

hohen Stellenwert. Angebote, den Wald neu zu entdecken, gibt es auch in der

Region.

Waldpädagogin Gesa Tiedemann bietet unter anderem das Waldbaden an.

Schon beim Betreten des Forstes beginnt das „Waldbaden“. Sich zwischen den

Bäumen aufzuhalten, ist bemerkenswert gut für die Gesundheit. „Waldbaden“–

klingt merkwürdig, ist aber für Menschen eigentlich eine sehr natürliche Sache.

Sich im Wald aufzuhalten, dort Schutz zu suchen, das steckt in uns. Und Gesa

Tiedemann hat so rein gar nichts Esoterisches an sich, die junge Frau aus Mulsum

hat selbst erfahren, wie gut ihr der Wald tut.

Die 34-Jährige hatte schon immer eine „grüne Leidenschaft“, war gern draußen

und hatte durch den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern schon immer einen guten

Draht zur Natur und traut sich auch zu sagen: „Ich finde, dass es guttut, einen

Baum zu berühren.“ Auf der anderen Seite ist sie bodenständig und geerdet, kann

der Vermenschlichung von Bäumen wie es andere in Bestsellern propagieren, nichts

abgewinnen. Beim Gang auf weichen, mit trockenen Tannen- und Fichtennadeln

bestreuten Wegen erzählt sie, warum der Wald auch ohne diese Überhöhung ein

besonderer Ort ist. Längst haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Bäume

auf chemische Weise miteinander kommunizieren, über Duftstoffe, sogenannte

Terpene. Die haben eine ausgesprochen gesundheitsfördernde Wirkung und sind

 

der Grund dafür, dass sich viele Menschen nach einem Waldspaziergang so viel

besser fühlen. „Das Grün entspannt, der Blutdruck fährt runter, die Stresshormone

werden weniger ausgeschüttet“, sagt die Fachfrau.

Sie selbst hat nach Jahren im Büro einen Neuanfang für mehr Natur in ihrem Berufsleben

gemacht. Sie studierte physische Geografie mit dem Schwerpunkt Landschaftsgeschichte

Norddeutschlands, Ökologie, Vegetations- und Klimageografie.

Jetzt bietet sie nebenberuflich das Waldbaden, Kindergeburtstage oder Waldführungen

an und genießt es, Menschen den Wald wieder näher zu bringen.

Unter dem Dach mächtiger Buchenkronen machen es sich die Waldbadenden

gemütlich, konzentrieren sich ganz auf das Rauschen der Blätter und den Gesang

der Vögel weit oben in den Ästen. Zum Waldbaden liest Gesa Tiedemann eine

Fantasiereise vor, die den stressigen Alltag ganz beiseite wischt.

„Ich möchte den Leuten den Anstoß geben und sagen: Nutzt doch die Natur,

es ist so entspannend und das Natürlichste, was man haben kann“, sagt Gesa

Tiedemann beim Schlendern aus dem Wald. Für sie geht es darum, eine kleine

Anleitung zu geben. „Die Zeit muss sich jeder für sich selbst nehmen.“ Das Gute

passiert im Stillen, im eigenen Körper.

Bereits seit den 1980er Jahren empfiehlt die japanische Gesundheitsbehörde, sich

regelmäßig im Wald aufzuhalten. Dies ist als Shinrinyoku – Waldbaden – bekannt

und mittlerweile eine anerkannte Methode der Stresstherapie. Verschiedene Forscher

haben sich mit der gesundheitsfördernden Wirkung von Bäumen beschäftigt:

Roger Ulrich zeigte in einer Studie, dass bereits der Ausblick aus dem Krankenhausfenster

sich unterschiedlich auswirkt. Wer aus dem Fenster einen Baum sehen

konnte, war schneller wieder zu Hause und benötigte weniger Schmerzmittel. Der

japanische Medizinprofessor Qing Li wies nach, dass in Waldgebieten signifikant

weniger Menschen an Krebs sterben als in unbewaldeten oder gerodeten Gegenden.

Auch grüne Stadtviertel hatten eine schützende Wirkung. Die Abwehrkräfte

werden schon durch kurze Spaziergänge im Grünen gestärkt. Blutanalysen zeigten,

dass der eintägige Aufenthalt in einem Waldgebiet die Anzahl der natürlichen

Killerzellen im Organismus um 40 Prozent steigen lässt. Diese Killerzellen machen

sowohl Viren als auch Körperzellen unschädlich, die zu bösartigen Tumoren entarten

können.

Grund für die positiven Effekte sind die Terpene, chemische Botenstoffe, die die

Pflanzen verströmen, um sich gegenseitig zu informieren, zum Beispiel über den

Angriff von Schädlingen. Die Wissenschaft hat Limonene und Pinene als die wirksamsten

herausgefiltert. Beide Arten sind in Bäumen und anderen Pflanzen zu

finden. Die höchste Konzentration der Duftstoffe in der Waldluft wird im Sommer

von Juni bis August festgestellt.

Ein zweiter Aspekt: Quing Li konnte mittels Urinproben belegen, dass die Stresshormone

Cortisol und Adrenalin durch die Waldatmosphäre deutlich gesenkt werden.

Ein Tag im Wald reduzierte das Adrenalin bei Männern um 30, bei Frauen

um 50 Prozent.

Beruhigt sei, wer keinen Wald in der Nähe hat. Die Forschung spricht vom Savannen-

Effekt – auch der Blick in eine Landschaft mit Grünflächen, Büschen und

Bäumen kann Stress abbauen. Das gilt ebenso für lichte Obsthaine und Streuobstwiesen.

Die Waldfachfrau Gesa Tiedemann macht Mut, sich auf den Wald einzulassen. Das muss nicht

unbedingt über das Waldbaden sein, das gerade so im Trend liegt.

Nicht jeder könne sich auf diesen Entspannungsfaktor vollkommen einlassen. Wer seiner Gesundheit

Gutes tun und sich entstressen will, darf auch so in den Wald gehen: „Es reicht dafür schon ein Waldspaziergang von zwei Stunden.“

 

www.imgruenenzuhause.net

 

Artikel mit freundlicher Genehmigung aus dem Allgemeinen Haushaltungskalender 2019, erschienen im Zeitungsverlag Krause, Stade.